Dein Homescreen ist kein Zufall. Er ist ein Statement.
Dein Homescreen ist mehr als eine Sammlung von Apps. Er zeigt, welchen Diensten du Kommunikation, Medien, Wissen und Infrastruktur anvertraust – und wie viel digitale Souveränität in deinem Alltag wirklich steckt.
In den letzten Wochen habe ich viele Gespräche über digitale Unabhängigkeit und digitale Souveränität geführt. Viel auf LinkedIn, im direkten Austausch mit Freunden und Kollegen, also grundsätzlich mit Menschen, die sich für das Thema interessieren, obwohl sie nicht jeden Abend freiwillig an ihrer eigenen Infrastruktur herumschrauben können.
Irgendwann kommt dabei fast immer dieselbe Frage:
Schön und gut, Axel. Aber was benutzt du denn selbst konkret?
Das ist eine sehr faire Frage. Man kann lange über digitale Souveränität predigen, über Lock-in-Effekte, über europäische Alternativen, über Open Source, über Plattformmacht, Vendoren-Neutralität, über politische und wirtschaftliche Abhängigkeiten. Manche können sehr überzeugend erklären, warum es auf Dauer keine gute Idee ist, Kommunikation, Wissensdatenbanken, ihren gesamten Medienkonsum, Datenspeicherung und digitale Identität vollständig in die Hände einiger weniger weltweit agierender Konzerne zu legen.
Aber irgendwann endet jede Theorie im Alltag. Dann geht es nicht mehr um Grundsatzdebatten, sondern um die schlichte, fast banale Frage, welche Werkzeuge man tatsächlich nutzt, wenn morgens das Telefon entsperrt wird.
Und plötzlich sind Amazon Video, YouTube, Teams, TikTok und OneDrive doch wieder unverzichtbar. Nicht wahr? Kommt euch bekannt vor. 😎
Genau deshalb ist der Startbildschirm meines Smartphones für mich mehr als ein paar ordentlich sortierte Icons. Er ist keine demonstrative Fingerübung und auch kein dubioser kleiner Nerd-Schrein. Er ist eine ziemlich ehrliche Bestandsaufnahme dessen, wie ich persönlich mit Technologie leben will und derzeit auch lebe. Nicht so perfekt wie ich es gern hätte, nicht frei von Widersprüchen, nicht "ideologisch rein", aber bewusst gebaut. Wenn man so will, ist mein Homescreen ein kleines persönliches Architekturdiagramm. Er zeigt, welchen Diensten ich meine Kommunikation, mein Wissen, meine Medien, Infrastruktur und vor allem Daten über meine digitalen Gewohnheiten anvertraue. Und er zeigt auch, wo ich mir Mühe gebe, Abhängigkeiten zu verringern, statt einfach millionenschwerem Marketing hinterherzulaufen.
Bevor man auf die einzelnen Apps schaut, muss man allerdings einen Schritt früher anfangen, nämlich beim Gerät selbst. Denn die Frage nach digitaler Souveränität beginnt nicht erst bei den Anwendungen. Sie beginnt schon damit, auf welcher Plattform man sie überhaupt betreibt.
Ich habe den, zugegeben nicht ganz rationalen, Anspruch, ein sogenanntes Flagship-Phone nutzen zu wollen. Wäre ich hier etwas flexibler, wäre es wahrscheinlich ein Fairphone, ein Volla Phone oder ein Jolla. Wobei: Beim Jolla bin ich längst nicht mehr nur flexibel. Ich habe bei der aktuellen Kampagne tatsächlich bestellt. Ein europäisches Linux-Phone mit Sailfish OS, Community-Steuerung, physischem Privacy Switch, wechselbarem Akku und einer modularen Rückcover-Plattform, über deren Erweiterungen die Nutzer abstimmen.
Es wird im September geliefert und soll für mich zwei Dinge werden: ein bewusstes Zweitgerät für den souveränen Modus und die Zielplattform für mein Rust-Projekt. Dazu ein andermal mehr. Stay tuned.
Aktuell habe ich mich bewusst für ein Google Pixel 10 Pro XL entschieden. Nicht, weil ich plötzlich extreme sentimentale Gefühle für Google entwickelt hätte. So tragisch wird diese Geschichte nicht mehr 😄. Aber ihr wisst ja schon, dass für mich Google der sympathischste unter den Hyperscalern ist. Primär aber weil das Pixel unter den aktuell verfügbaren Smartphones für meinen Zweck die vernünftigste Grundlage ist.

Ein iPhone kam für mich nicht infrage, obwohl Apple wirklich exzellente Hardware baut und ohne jeden Zweifel Geräte liefert, die in vielen Bereichen wirklich herausragend funktionieren. Aber das iPhone ist und bleibt für mich der Inbegriff des eleganten goldenen Käfigs in den man sich freiwillig reinsetzt und die Tür hinter sich einschnappen lässt. Man bekommt ein stark kontrolliertes, extrem gut abgestimmtes, auch sehr sicheres System, das viele Dinge sehr gut kann, solange man bereit ist, sich den Regeln dieses Ökosystems zu unterwerfen.
Für viele Menschen ist das das perfekte Angebot. Für mich nicht.
Ich möchte ein Gerät nicht nur benutzen, ich möchte im Zweifel auch noch darüber entscheiden können, wohin die Reise später geht. Genau das ist bei Apple nur in sehr engen Grenzen vorgesehen. Apple verkauft Kontrolle als Komfort, und man muss fairerweise sagen: Das machen sie beeindruckend gut, vom Vertrieb, der Produktplatzierung bis hin zur technischen Umsetzung. Trotzdem bleibt am Ende die alte Wahrheit bestehen, dass ein System, das für mich alles entscheidet, vielleicht bequem ist, technisch an der Grenze zu Perfektion des Machbaren, aber eben nicht souverän.
Ich wollte kein Telefon, das mich freundlich einsperrt. Ich wollte eines, das mir eine Seitentür offenlässt.
Andere Android-Smartphones waren für mich allerdings auch keine überzeugende Alternative. Der Markt ist voll mit Geräten, die auf dem Papier großartig aussehen und in der Praxis mit Herstelleraufsätzen, vorinstallierter Bloatware, dubiosen Zusatzdiensten, App-Dopplungen und allerlei kreativen Eingriffen ins System daherkommen. Samsung ist da aus meiner Sicht einer der erwähnenswertesten. Man bekommt nicht einfach Android, sondern Android plus den Ehrgeiz eines Herstellers, sich überall dazwischenzuschieben, wo noch ein wenig Kontrolle, Datenzugriff oder Markenbindung hineinpassen.
Ich wollte kein Gerät, das schon beim ersten Einschalten den Eindruck vermittelt, als hätten drei Marketingabteilungen gleichzeitig versucht, mir ihre Vorstellung von digitalem Glück aufzuzwingen.
Das Pixel ist für mich der pragmatischste Mittelweg. Es bietet ein vergleichsweise sauberes, nahe an Stock Android liegendes System, bekommt schnell und zuverlässig Updates und kommt ohne die ausufernde Bastel- und Brandingwut vieler anderer Hersteller daher. Auch die Hardware ist wirklich stark und die Verarbeitung aus meiner Sicht absolut auf Augenhöhe mit einem aktuellen iPhone.
Natürlich ist auch ein Pixel kein freies Paradies. Es bleibt ein Google-Gerät. Aber es ist im Android-Lager eines der wenigen Geräte, das sich eher wie eine solide Basis anfühlt als wie ein digitaler Jahrmarkt mit eingebautem CRM-Interesse.
Der eigentliche Punkt liegt für mich aber noch tiefer: Das Pixel hält mir eine Option offen, die weder beim iPhone noch bei vielen anderen Android-Geräten realistisch in Reichweite liegt. Ich könnte später auf GrapheneOS wechseln. Ob ich das morgen tue, ist dabei vordergründig gar nicht der entscheidende Punkt. Wichtig ist, dass diese Möglichkeit überhaupt existiert. Dass mein Gerät also nicht das Ende meiner Entscheidungen markiert, sondern eine Plattform bleibt, auf der ich später noch konsequenter werden kann, falls ich das will.
Für mich ist genau das ein Kern von digitaler Souveränität: nicht heute schon in vollständiger Reinheit zu leben, sondern morgen noch handlungsfähig zu sein.
Und ja: Irgendwann, ich denke spätestens wenn das Jolla da ist, werde ich GrapheneOS installieren.
Von dort aus wird dann auch verständlich, warum mein Homescreen so aussieht, wie er aussieht. Er ist so gar keine Sammlung besonders trendiger Apps, sondern eher eine kleine Landkarte meiner ganz persönlichen Prioritäten.
Da liegen zum Beispiel Proton Mail und Proton Pass. Daneben steht mein primärer Anbieter mailbox(.org), der zusammen mit OpenCloud aus demselben Berliner Haus kommt, der Heinlein-Gruppe. Europäische Mail und europäischer Speicher aus einem Guss statt zusammengestückelter Flickenteppich.

Nicht, weil ich glaube, dass irgendein Anbieter dieser Welt plötzlich zum messianischen Erlöser datensensibler Menschen wird. Solche Geschichten haben wir oft genug gesehen, sie enden meistens in PowerPoints oder in Souveränitätswashing. Aber Kommunikation und Identität gehören für mich zu den Bereichen, die man nicht achtlos bei den erstbesten Bequemlichkeitsriesen parken sollte, nur weil deren Login hübsch aussieht und die Werbekampagne freundlich lächelt.
Mail, Passwörter, Identitäten und Zugriffspunkte sind das digitale Nervensystem. Wer sie beliebig auslagert, macht sich nicht moderner, sondern verletzlicher.
Und wenn man sich die Geschichte von Proton anschaut, also die Gründung durch CERN-nahe Forscher mit dem erklärten Ziel, besonders sichere E-Mail-Dienste zu bauen, dann darf man zumindest annehmen, dass dort über das Thema etwas länger nachgedacht wurde als bei manchem altbekannten Legacy-Anbieter.
Daneben liegt Element X mit Matrix. Das ist kein bloßes Stilaccessoire für Menschen, die gerne das Wort föderiert in Unterhaltungen fallen lassen. Für mich steht dahinter die Überzeugung, dass Kommunikation mehr sein sollte als die Wahl zwischen verschiedenen geschlossenen Silos. Offene Standards, Interoperabilität und föderierte Modelle sind nicht immer die bequemsten Wege, aber sie schaffen Alternativen und damit Handlungsfähigkeit. Genau das fehlt "by Design & Intention" in vielen digitalen Monokulturen. Dort hat man vielleicht Auswahl zwischen Farben, aber selten zwischen echten Machtstrukturen.
Das Stichwort ist Matrix. Ich hoste meinen eigenen mit dem Rest der Welt föderierten Server. Und nein. Ich schotte mich nicht ab. Ich habe Bridges für meine alten Kontakte bei WhatsApp, Telegram und Signal. Ich benutze diese drei alten Plattformen allerdings nicht mehr für neue Kontakte.
Dann kommen die Werkzeuge, die für mich nicht Nerd-Spielzeuge sind, sondern Infrastruktur in Taschenformat: MikroTik, WireGuard, Home Assistant, OpenCloud. Zugriff, Netzwerk, Automatisierung, eigener Speicher, eigene selbst verwaltete, selbst kontrollierte, in meinem Fall auf daheim selbst gehostete Systeme. Das sind die Dinge, die darüber entscheiden, ob man lediglich Konsument, Nutzer eines Systems ist oder zumindest in Teilen noch Herr im eigenen Haus.
Wer seine Infrastruktur vollständig als unsichtbare Komfortzone konsumiert, merkt oft erst dann, wie abhängig er geworden ist, wenn etwas ausfällt, plötzlich wesentlich teurer wird, schlechter wird oder plötzlich mit ganz neuen Bedingungen weiterläuft. Dann stellt man fest, dass Bequemlichkeit und Kontrolle selten dieselbe Wohnung teilen.
Auch mein Medienbereich ist kein Zufall. AntennaPod für die Podcasts, Jellyfin als meine eigene auch portable Amazon Video Alternative, Symfonium mit Navidrome im Backend als Spotify-Replacement, WiiM Home als Ablösung zu Sonos, das ist für mich wesentlich mehr als technischer Geschmack. Es ist auch eine Haltung gegenüber digitalem Konsum.
Wer Podcasts nur noch innerhalb geschlossener Plattformen hört, Musik nur noch mietet und audiovisuelle Kultur nur noch durch abstrakte, durch Algorithmen gesteuerte Empfehlungslogiken einiger weniger Anbieter wahrnimmt, gibt nicht nur seine Daten ab. Er gibt auch einen großen Teil seiner, ja unserer ureigensten kulturellen Selbstbestimmung ab.
Früher hat man Bücher als Inbegriff des Wissens vererbt. Versucht das mal mit euren Accounts.
Eigene RSS-Feeds, eigene Bibliotheken, selbst verwaltete Medien und offene Zugänge wirken auf den ersten Blick gar nicht revolutionär. Gerade nachdem uns einige Anbieter in den letzten 15 bis 20 Jahren erfolgreich beigebracht haben, dass „die Cloud“ der Weisheit letzter Schluss sei und belastbare, souveräne Infrastruktur mitsamt ihrer Betreiber als obsolete Legacy diffamiert wurde. Nun schaut man wieder genauer hin. Und plötzlich ist genau diese vermeintliche Legacy wieder interessant. Das irritiert ausgerechnet jene am meisten, die sie jahrelang für erledigt erklärt haben.
Genau deshalb ist es essenziell sich damit kritisch auseinanderzusetzen.
Bei mir ist es ein leiser Gegenentwurf zu einer Welt, in der alles grauenhaft bequem ist, solange man sich freiwillig dauerhaft in die richtigen Abo-Schienen zwischen 8,99 und 99,00 pro Monat einpasst.
Mit Obsidian, Immich und Paperless-ngx wird das noch einmal persönlicher. (Meine) Notizen, Fotos, Dokumente, Code und sonstiges Wissen, all das ist nicht einfach flüchtiger App-Inhalt, sondern Teil meines eigenen digitalen Gedächtnisses. Ich halte es wirklich für einen bemerkenswerten zivilisatorischen Fortschritt, dass wir heute fast unser ganzes Leben digital abbilden können. Ich halte es allerdings für eine eher mittelgute Idee, dieses Gedächtnis vollständig an Unternehmen auszulagern, deren Bindung an uns ungefähr so tief ist wie die Liebe eines Mietwagenanbieters zu seinen Kunden.
Solange man zahlt und funktioniert, läuft alles freundlich. Das ist aber kein Vertrauensverhältnis. Das ist opportunistische Geschäftslogik. Deshalb gibt es bei mir eine angemessene Spende an die Open Source Projekte und einen vertrauenswürdigen Eigenbetrieb aller drei Dienste.
Nun wäre es allerdings zu einfach, den Artikel an dieser Stelle in irgendeine Pose digitaler Reinheit kippen zu lassen. Pandolin, der Paladin der Freiheit. 😄 Mein Homescreen ist kein Manifest völliger Abkopplung. Da sind ganz bewusst auch pragmatische Widersprüche sichtbar. Da ist Firefox und gleichzeitig die Google-Suchleiste. Da sind Revolut und die Financial Times.
Da sind Claude von Anthropic neben Mistrals Le Chat, ein amerikanischer und ein europäischer KI-Anbieter, weil Souveränität bei Werkzeugen, die zunehmend mitdenken, erst recht keine Monokultur sein sollte. Da sind Messages und andere Brücken zurück in die ganz normale, unaufgeräumte digitale Realität.
Warum erwähne ich das so deutlich? Weil digitale Unabhängigkeit für mich wenig bis nichts mit Reinheitsgeboten zu tun hat. Ich glaube nicht an das Märchen vom vollständig unberührten Leben außerhalb aller problematischen Strukturen. Dafür ist unser Alltag längst zu verflochten, zu international, zu bequem und oft auch schlicht zu pragmatisch. Und das ist auch gut so.
Aber genau darum geht es auch nicht. Digitale Souveränität bedeutet für mich nicht, nie wieder US-Dienste zu nutzen oder nur noch in einer idealisierten Open-Source-Berghütte zu leben, in der alle Server leise summen und niemand je einen Kompromiss eingeht. Sie bedeutet, ihnen nicht alternativlos ausgeliefert zu sein.
Sie bedeutet, für zentrale Funktionen Alternativen aufzubauen, Daten dort zu kontrollieren, wo es sinnvoll und machbar ist, offene Standards zu bevorzugen, wo sie tragfähig sind, und Infrastruktur wenigstens so weit zu verstehen, dass man sie nicht für Naturgewalten hält. Es geht nicht um moralische Selbsterlösung. Gut, manchmal bei mir vielleicht ein kleines bisschen. Aber im Kern geht es um Risikostreuung, Handlungsfähigkeit und die Fähigkeit, im Zweifel wechseln zu können.
Aber ich will verstehen.
Vielleicht ist das der eigentliche Punkt, den mein Startbildschirm erzählt. Er ist ganz sicher keine Heldengeschichte und kein perfektes technisches Schaufenster. Er ist eher eine Karte meiner ganz persönlich gewählten digitalen Risikostreuung. Er zeigt, dass ich meine Kommunikation, meine Medien, meinen Speicher, mein Intellectual Property und meine Infrastruktur auf gar keinen Fall komplett in einem einzigen Ökosystem ablegen will.
Er zeigt aber auch, dass ich in dieser Welt lebe und nicht in einem ideologischen Modellbahn-Miniatur-Wunderland, in der jedes Problem sauber beschriftet und jede Lösung moralisch unangreifbar ist. Natürlich gibt es Kompromisse, wird es immer geben. Natürlich nutze ich nicht ausschließlich heilige freie Bergquell-Software aus dem letzten unberührten Tal Europas.
Aber genau dort wird das Thema interessant. Digitale Unabhängigkeit scheitert selten am bösen Willen, sondern meistens an falschen Bildern, an Souveränitätswashing und an dem Versuch, Opportunismus mit Hochglanzbegriffen zu bemänteln.
Viele stellen sich unter digitaler Souveränität einen radikalen Totalumstieg vor, am besten sofort, alles neu, alles selbst hosten, alles nur noch offen, alles nur noch europäisch, alles nur noch makellos glänzend. So funktioniert Alltag nicht. So funktionieren die Menschen nicht.
Und ganz ehrlich: So funktionieren die meisten Unternehmen erst recht nicht.
Was funktioniert, ist etwas anderes. Man kann kritische Infrastruktur bewusst wählen. Man kann Passwörter und Identitäten nicht dem Zufall überlassen und schon gar nicht einem einzigen Hyperscaler. Man kann offene oder föderierte Kommunikationswege ergänzen, Medien wieder stärker selbst organisieren, eigene Daten aus langfristig schädlichen Monokulturen herauslösen und Geräte so auswählen, dass sie einem später noch Optionen lassen.
Nicht Reinheit also, sondern Resilienz. Nicht Pose, sondern Handlungsfähigkeit von morgen. Nicht der schöne naive Traum völliger Abkopplung, sondern die bewusste maximale Verringerung von Abhängigkeiten.
Wer also über digitale Souveränität reden will, muss deshalb nicht mit Staatsräson, Rechenzentren oder industrieller Großstrategie anfangen, auch wenn all das wichtig ist.
Er kann mit seinem Smartphone beginnen.
Mit seinem Homescreen.
Mit der ehrlichen Frage, welche dieser Apps ihm wirklich dienen und bei welchen er längst vor allem dem System dahinter dient.
Vielleicht ist das kein vollständiger Befreiungsschlag. Aber es ist ein Anfang. Und meistens beginnt jede Form von Unabhängigkeit genau dort: nicht mit Perfektion, sondern mit der ersten bewussten Entscheidung.